Wir bauen eine Schule

Wenn man sich die Tagesordnung des 14. SEA anschaut, sollte doch eigentlich alles übersichtlich sein. Aber der Teufel, wie bei vielem, steckt bekanntlich im Detail und dazu möchte ich gern die Öffentlichkeit mal mitnehmen.

Also, was ist passiert?

Wir hatten fünf Vergabe-Beschlussvorlagen für das Bauvorhaben „Gesamtsanierung und Erweiterung Zentrum für Bildung, Kultur und Soziales Pirna-Sonnenstein“, kurzum unser Schulneubau auf dem Sonnenstein.

Bürgermeister Dressler leitete den ersten TOP "Vergabe Zimmerer- und Holzbauarbeiten“ damit ein, „…dass wir uns ja glücklich schätzen können“, denn es wird, wie wir dann erklärt bekamen, "vieles preiswerter als geplant". Ergo: die Schätzungen der Planer sind höher als die Angebote der Bieter.

Da ich mich auf alle Sitzungen an denen ich teilnehme, möglichst auch intensiv vorbereite, habe ich mir im Vorfeld die Mühe gemacht und alle neun Schätzungen und Angebote zu dem Bauvorhaben mal näher unter die Lupe genommen.

Im Ergebnis dann zu meiner Anfrage, „warum nun mit einmal alles preiswerter wird!“, sagte Herr Dressler: „Es ist doch gut, wenn wir nun günstigere Angebote erhalten!“ Im Prinzip hat er damit auch recht, nur brauche ich dann keine Schätzung, wenn ich mir die Zahlen und die daraus ableitenden Schlussfolgerungen so zu Recht lege, wie sie mir passen.

Ich erinnere an die Argumente der Verwaltung aus dem September 2025 bzw. dem März 2026 für teilweise bis zu 45 Prozent höhere Kosten (Fenster/Türen von 0,94 auf 1.37 Mio. EUR oder dem Rohbau/Abbruch von 1,34 auf 1.95 Mio. EUR), all dies wurde mit gestiegenen Energiepreisen, zu wenig Firmen am Markt, gestiegen Löhnen, der Krieg wäre schuld (ich glaube am Anfang noch der der Ukraine), erklärt und begründet. OK dies haben wir in den zurückliegenden SEA-Sitzungen so hingenommen. Allerdings war ich da schon sensibilisiert, denn was dies für weitere Folgen auf den Bau, auf die Fertigstellung der Schule haben wird...?

Kommen wir zurück zu unserer 14. SEA-Sitzung:
Die darin beschlossenen Gewerke Zimmerer/Holzbau, WDVS, Raumlufttechnik. Elektro-, Sanitär- und Heizungsinstallation hatten ein Gesamtbudget, laut Schätzung der Verwaltung von 4,47 Mio. EUR, beauftragt haben wir aber lediglich 3,15 Mio. EUR, ergo 1,32 Mio. EUR weniger was rund 30 Prozent des Budgets sind. Wahnsinn…

Um nochmal auf die teurer gewordenen Gewerke zurückzukommen (Fenster/Türen und Rohbau/Abbruch): hier sind wir bei 1,04 Mio. EUR Mehrkosten, was auch gleich mal knapp 50 Prozent der ursprünglich geplanten Kosten waren.

Jetzt ist mit einmal jedes Gewerk, was ausgeschrieben wurde, bedeutend preiswerter als die Schätzung. Was hat sich verändert? Nichts! Sorry, die Energiepreise (Kraftstoff) sind noch mehr gestiegen, es gibt neben der Ukraine auch noch die Straße von Hormus und in Jordanien ist wohl auch noch Krieg…

Jetzt wo alles „preiswerter“ wird, freut man sich, weil man damit Verlorenes glaubt aufzuholen. Wie sagte Frau Kühn, „wir bleiben doch im Budget…!“

Kurzum, mir gefällt die Interpretation der Verwaltung, explizit des Bürgermeister Dressler nicht, was die Auswertung derlei Angebote angeht. Auf der einen Seite spielen Energiepreise und sonstige, sicherlich auch nachvollziehbare Gründe eine Rolle, auf der anderen Seite (wenn es billiger wird), verdrängt man diese und man freut sich - naiv wie ein kleines Kind.

Was sollen wir als Stadtrat nun eigentlich glauben, wem vertrauen? Normalerweise hätten mit den Argumenten der ersten beiden Lose (Rohbau/Fenster) alle Alarmglocken in der Verwaltung läuten müssen, weil der Bau dann wohl basierend auf ihren eigenen Argumenten 30 bis 50 Prozent teurer werden muss.

Nun wird aber alles billiger, wie geht so etwas…? Zumal meist alle Bieter, die an den Ausschreibungen teilgenommen haben, und jetzt wird es noch verrückter, günstiger waren als die Schätzung der Planer.

Zumindest hat Herr Möckel signalisiert, nunmehr die Planer mehr in die Pflicht zu nehmen und auch die Fachkompetenz des einen oder anderen Büros mal zu hinterleuchten. Wenigstens dies bleibt für mich als positive Resonanz stehen. Da ist meine Freizeit dann wohl doch nicht ganz umsonst gewesen.

Mehr möchte ich in die Abläufe solch geförderter Bauvorhaben nicht reininterpretieren, erstmal zumindest nicht.

Ralf Böhmer
Fraktionsvorsitzender Freie Wähler - Wir für Pirna e. V. im Stadtrat Pirna

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